Das Chinesische Orchester

Das chinesische Orchester ist eine noch relativ neue Erscheinung. Seine Struktur wurde auf Basis des westlichen Symphonieorchesters geschaffen und die Besetzung und das Repertoire haben sich erst während des letzten Jahrhunderts entwickelt. Auch wenn gemischte Ensembles aus Blas- und Saiteninstrumenten in der chinesischen Musikgeschichte schon länger existierten, kam der entscheidende Anstoß zur Bildung des chinesischen Orchesters erst durch die chinesische Konfrontation mit den westlichen Mächten zur Wende des 20. Jahrhunderts.

Trotz des starken Einflusses aus dem Westen, ist das moderne chinesische Orchester ein einzigartiges Auffangbecken authentischer chinesischer Traditionen. Seite an Seite mit modernen Instrumenten aus den 1950ern, die gleichstufig temperiert sind und über eine höherere Lautstärke verfügen, sind historische Instrumente wie xun, xiao oder gu Teil des chinesischen Orchesters. Ihre Form und ihr Klang sind seit tausenden von Jahren fast unverändert geblieben.

Organisiert ist das chinesische Orchester in vier Gruppen von Instrumenten: Streich-, Zupf-, Blas- und Schlaginstrumente. Mehr als alle anderen Instrumente sind die gezupften und geschlagenen Saiten verantwortlich für die einzigartige Klangfarbe eines chinesischen Orchesters. Bläser produzieren einen unvergleichlichen nasalen und schrillen Klang, den man aus der westlichen Musik nicht kennt.

Heutzutage ist das chinesische Orchester ein lebendiges und fruchtbares Terrain für Experimente: chinesisch klingende Skalen werden manchmal mit atonaler Musik oder avantgardistischen Stilrichtungen ausgetauscht oder imaginäre Instrumente in neue Kompositionen integriert (Papierblätter, Rechenschieber, etc.). Junge Musiker, die an den Konservatorien ausgebildet wurden, sind gewillt, sich neuen, aufregenden Herausforderungen zu stellen und Komponisten zögern nicht, ihre kreativen Impulse auszuleben.