Streichinstrumente

Chinesische Streichinstrumente gehören zur Familie der Huqin 胡琴 („barbarische Streichinstrumente“), hu 胡 bedeutet „barbarisch“ und qin 琴  „Streichinstrument“. Man vermutet, dass ein Instrument namens Xiqin 奚琴 („Instrument des Volkes Xi “) ein Vorläufer diese Familie ist und in der Antike von nomadischen Stämmen Zentralasiens nach China eingeführt wurde. Über Jahrhunderte hinweg haben sich mehrere Varianten herausgebildet. Heutzutage gibt es mehr als 30 Arten der Huqin, aber nur ein paar kommen regelmäßig in chinesischen Orchestern zum Einsatz wie ErhuGaohuJinghu, Zhonghu, Banhu und Matouqin.

Erhu

Erhu 二胡

Die erhu gehört zur Familie der Huqin, den sogenannten „barbarischen Streichinstrumenten“ – ein Verweis auf ihre nordische Herkunft. Sie wird auf Instrumente zurückgeführt, die vor über tausend Jahren nach China eingeführt worden sind. Eine Erhu hat zwei Stahlsaiten, zwischen denen ein Bogen aus Rosshaar gespannt ist. Am unteren Ende befindet sich ein kleiner Schallkörper, der auf der Vorderseite mit Schlangenhaut bespannt ist (in der Regel von einer Phython), die beim Spiel in Schwingungen versetzt wird. Der bundlose Hals ist lang und rund und wird von zwei Stimmwirbeln abgerundet. Der Klang wird durch das Streichen des Bogens auf der inneren und äußeren Saite erzeugt. Die zwei Saiten werden normalerweise eine Quinte oder ein Quarte zueinander gestimmt (D – A, C – A oder A – D). Von dem weichen, klagenden Ton wird oft behauptet, das er der menschlichen Stimme sehr nahe sei. Die Erhu-Spieler stellen den Kern des chinesischen Orchesters dar, vergleichbar mit den Violinen im Symphonieorchester.

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Gaohu 高胡

 

Die Gaohu („hoch klingende Huqin“), auch unter dem Namen Yuehu 粤胡 („kantonesische Huqin") bekannt, ist ein Instrument, das von der Erhu abstammt und von dem kantonesischen Musiker Lu Wencheng 吕文成 (1898 - 1981) geschaffen wurde, um die Erhu um höhere und hellere Laute zu ergänzen. Im Vergleich zur Erhu, hat die Gaohu einen kleineren Schallkörper, der meist rund geformt ist und die Saiten sind eine Quarte oder Quinte höher gestimmt. Talentierte Spieler beherrschen hohe Tonlagen und können das liebliche Vogelzwitschern imitieren. In einem modernen chinesischen Orchester gibt es weniger Gaohu als Erhu; die Gaohu-Spieler sitzen gewöhnlich näher am Publikum und der erste Gaohu-Spieler fungiert häufig als Konzertmeister.

Gaohu

Zhonghu

Zhonghu 中胡

Die Zhonghu („Alt-Huqin") ist ein größeres Format der Erhu und wurde in den 1940er Jahren entwickelt. Dank des großen Schallkörpers und der Tonlage der Saiten (eine Quarte oder Quinte tiefer als die Erhu), produziert die Zhonghu einen tieferen und weicheren Ton, der im Orchester perfekt mit den Klängen der Erhu harmoniert.

Jinghu 京胡

Die Jinghu („Pekinger Huqin") ist kleiner als die Erhu und ihr Korpus ist aus Bambus anstatt aus Holz geformt, ein Merkmal, das es vom Rest der Familie der Huqin unterscheidet. Wie die Gaohu, verfügt auch sie über eine hohe Klangfarbe, die an die Gesänge der Pekingoper erinnert, in der sie ein wichtiges Begleitinstrument darstellt. In Werken für chinesisches Orchester kommt die Jinghu selten zum Einsatz.

Jinghu

Banhu

Banhu 板胡

Die Banhu („Holzbrett-Huqin") hat einen kurzen und runden Schallkörper aus Kokusnuss, der auf der Rückseite mit einer dünnen, hölzernen Platte schließt. Sie hat einen typischen, schneidenden Klang, der für die lebendige Bangzi-Oper aus Nordchina charakteristisch ist. Die Banhu findet man nur selten in einem Orchester, aber sie wird von Zeit zu Zeit als Soloinstrument verwendet und dabei von Gaohu-Spielern interpretiert.

Gehu 革胡

Seit den 1960ern wurden viele Instrumente entwickelt um ein chinesisches Gegenstück zum Cello zu gewinnen, das dem Klang der Erhu standhalten kann. Einige dieser Experimente waren wenig erfolgreich und wurden bald vernachlässigt, wie beispielsweise die Dahu („große Huqin“), eine Art überdimensionale Erhu. Nach hunderten von Experimenten stellte 1979 Yang Yusen 杨雨 森 das Design eines hybriden Streichinstruments, bekannt als Gehu („revolutionäre Gehu”) und als größere Ausführung die Di gehu („Bass-Gehu”) her. Der Klangkörper der Gehu ist fassförmig und verfügt über einen Steg, auf den vier Saiten gespannt sind. Sie wird auf den Boden aufgesetzt, während das Loch, das von Python-, Pferd- oder Lammhaut bedeckt ist, nach links zeigt. Leider gilt die Gehu in Ton und Volumen als schwächer im Vergleich zum Cello. Infolgedessen verwenden die meisten chinesischen Orchester andere hybride Instrumente der Ruan Familie, wie die Laruan oder eben auch das westliche Cello. Lediglich das renommierte Hong Kong Chinese Orchestra schwört auf die einzigartige Klangfarbe der Gehu.

Gehu

Laruan

Laruan 拉阮

Unter den Experimenten zur Schaffung eines Äquivalents zum Cello im chinesischen Orchester seit den 1960er Jahren war auch die Laruan („Streich-Ruan“) und eine größere Version, die Da laruan („Bass-laruan”), die mit dem Kontrabass zu vergleichen ist. Die meisten chinesischen Orchester bevorzugen westliche Celli anstelle von Laruan, dennoch gibt es ein paar Ausnahmen, wie das China National Traditional Orchestra.

Matouqin 马头琴 

Die Matouqin („Pferdekopfgeige") ist ein Streichinstrument, das als Symbol des mongolischen Volkes gilt. Im Mongolischen ist es unter dem Namen Morinkhuur bekannt. Es hat einen hölzernen trapezförmigen Klangkörper (traditionell wurde der Rahmen von Kamel-, Ziegen- oder Schafshaut bedeckt) mit zwei Saiten und zwei Wirbeln und einem langen Hals mit einem Griffbrett, das von einem geschnitzten Pferdekopf am oberen Ende abgerundet wird. Die Saiten können aus Haaren, Pferdeschwanz oder aus Nylon sein. Wie viele andere Instrumente aus der Familie der Streicher, gibt es auch eine größere Ausführung der Pferdekopfgeige, die tiefere Töne erzeugt, sie heißt Da Matouqin(„Bass-Matouqin”). Die Pferdekopfgeige ist berühmt für ihren komplexen Fingersatz, der sehr schwer zu meistern ist. Die Spitzen des Zeige- und Ringfingers werden verwendet, um die Saiten nach innen zu drücken, während mit den Nägeln des Mittelfingers und des kleinen Fingers die Saiten nach außen gedrückt werden um andere Töne zu erzeugen. Die Matouqin hat einen einzigartigen tiefen und weichen Klang, der ihre Zuhörer an die weiten Grasslandschaften der Mongolei zu erinnern vermag. Die Musik der Pferdekopfgeige wurde in die Liste des Immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.

Matouqin

Von westlichen Orchestern: CelloKontrabass.