ZUPFINSTRUMENTE

Die Zupfinstrumente können durch die Art, wie man sie in den Händen hält kategorisiert werden: horizontal (z.B. Guzheng und Yangqin) oder vertikal (z.B. Pipa and Ruan). Gespielt werden können sie mit (künstlichen) Nägeln, Plektren oder durch das Anschlagen der Saiten mit dünnen Stäbchen.

Pipa

Pipa 琵琶

Die Pipa, die oft als „Chinesische Leier” bezeichnet wird, ist ein birnenförmiges, viersaitiges Zupfinstrument, dessen Vorläufer vor 2000 Jahren aus Zentralasien nach China eingeführt worden ist, also während der Westlichen Han Dynastie (1. bis 3. Jahrhundert n. Chr.). In der Antike wurde die Pipa horizontal mit einem langen Plektron gespielt und die entweder vier oder fünf Saiten wurden aus Seide gefertigt. Im Laufe der Zeit wurde die Pipa vertikal mit den Fingernägeln gespielt. Die meisten Pipa verfügen heutzutage über Stahlsaiten und werden teils noch immer mit den Fingernägeln gezupft, obwohl auch kleine Plektren aus Plastik oder Schildkrötenpanzer, die an den Fingern angebracht werden, zum Einsatz kommen. Die Pipa wird häufig als Soloinstrument verwendet und kommt außerdem in Orchestern und kleineren Ensembles vor.

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Liuyeqin 柳叶琴

Die Liuyeqin, auch unter dem Namen Liuqin bekannt, ist ein kleines Zupfinstrument mit vier Stahlsaiten, die – entgegen der modernen Pipa – in der Horizontalen gespielt wird, und zwar mit einem Plektron. Den Namen Liuyeqin hat sie ihrer Form zu verdanken, da sie einem hübsch geformten Weidenblatt ähnelt (liu bedeutet „Weide” und ye „Blatt”). Die Liuyeqin entstand während der Tang Dynastie (618 - 907 n. Chr.) aus der größeren Pipa. Zu dieser Zeit hatte die Liuqin vermutlich nur zwei oder drei Saiten; die moderne Version des Instruments mit vier Saiten, wurde erst spät, in den 1950ern entwickelt.
 

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Liuyeqin

Sanxian

Sanxian 三弦

Die Sanxian (wörtlich „drei Saiten”) ist ein bundloses dreisaitiges Instrument mit langem Hals und einem Klangkörper, über den eine Schlangenhautmembran gespannt ist. Es wird normalerweise mit einem Plektron gespielt, aber es kann auch mit den Fingernägeln gezupft werden. Die Sanxian gibt es in drei Größen: groß, mittel und klein. Normalerweise kommt es in der großen Orchesterformation nicht vor, wird aber häufig als Begleitinstrument (hauptsächlich in Stücken, die Geschichten erzählen) und in kleineren Ensembles genutzt. Die Sanxian hat eine facettenreiche Klangfarbe und dank ihres langen Halses einen breiten Stimmumfang.

Yangqin 扬琴

Die Yangqin (die ursprünglich „fremdes Streichinstrument” hieß) wurde während der späten Ming-Dynastie (1368 - 1644 n. Chr.) über Händler aus dem Nahen Osten nach China eingeführt. Die früheste Form der Yangqin besaß zwei Bünde, die auf einem trapezförmigen Schallkörper angebracht waren, die beide über acht bis zwölf Saitenreihen verfügten. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Yangqin durch Hinzufügung von weiteren Reihen und Saiten weiterentwickelt, um Volumen, Tonlage, Tonumfang und chromatische Fähigkeiten zu erweitern.

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Yangqin

Ruan

 

Ruan

Gaoyin Ruan 高音阮, Xiao Ruan 小阮, Zhong Ruan 中阮, Da Ruan 大阮, Diyin Ruan 低音阮

Die Ruan verdankt ihre Popularität und ihren Namen Ruan Xian 阮咸, einem der exzentrischen Intellektuellen der bekannten „Sieben Weisen des Bambushains“ aus der Westlichen Jin-Dynastie (265 - 317 n. Chr.). Ruan beherrschte dieses Instrument in Perfektion. Ein berühmter Grabstein der Sieben Wiesen, der auf einem Grab entdeckt wurde, zeigt ihn beim Spiel seines Instruments. Die Ruan hat einen geraden Stamm, einen runden Schallkörper und 24 Bundstäbe. Anders als die Pipa, wird sie mit einem Plektron an der linken Hand gespielt. Der Klang der Ruan ist lieblich und mitreißend.

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Yueqin 月琴

 

Die Yueqin, die auch unter dem Namen „Mondzither” bekannt ist, hat einen kurzen, mit Bünden versehenen Hals und einen runden oder achteckigen Resonanzkörper. Im Vergleich zur westlichen Gitarre, die der Pipa, der Ruan und der Liuqin ähnlicher ist, wird beim Spiel der Korpus des Instruments mit den Fingern nicht berührt. Dies erlaubt eine hohe Kontrolle über das Timbre und die Intonation. Die vier Saiten der Yueqin sind als zwei Paare aufgeteilt, jedes Paar ist auf eine Tonhöhe gestimmt, die eine Oktave auseinander sind, die Saiten sind jeweils auf eine Quarte oder Quinte gestimmt. Das Instrument wird mit einem dicken Plektron gezupft und hat einen klaren und schwingenden Ton. Die Yueqin ist ein wichtiges Instrument für die Pekingoper und wird ansonsten auch im Spiel mit anderen Zupfinstrumenten genutzt. Als Soloinstrument tritt sie selten in Erscheinung.

Yueqin

Guzheng

Guzheng 古筝

Einen Vorläufer der modernen Guzheng hat es vermutlich schon während der Qin-Dynastie (221 – 207 v. Chr.) gegeben. Mit der Zeit wurden dem ursprünglich zwölfsaitigen Instrument mehrere Saiten hinzugefügt; seit den 1960ern hat die Standard-Guzheng nicht weniger als 21 bis 26 Saiten, die heutzutage hauptsächlich aus Stahl bestehen. Beim Stimmen des Instruments können die Tonhöhen durch Verschieben der Stege eingestellt werden, ganz anders als bei vielen anderen Instrumenten, bei denen die Stege fixiert sind. Der Spieler zupft die Saiten mit den Fingernägeln seiner rechten Hand (entweder echten oder aus Plastik), während die Finger der linken Hand Druck auf die Saiten ausüben, um Vibratos, Glissandos oder andere Verzierungen zu vollführen. Seine Klangfarbe kann hell oder weich sein, aber in jedem Falle intensiv und ansprechend. Die Guzheng spielt im Orchester und in Ensembles, außerdem ist sie als Soloinstrument beliebt.

Check out the performance of Guzheng Master Xu Lingzi!

Guqin 古琴

Die Guqin ist eine siebensaitige Zither mit einer langen Geschichte und ist die Ikone unter den chinesischen Musikinstrumenten. Während der Frühlings- und Herbstperiode (770 - 477 v. Chr.) war sie als fünfsaitige Ausführung beliebt und damals einfach unter dem Namen Qin („Streichinstrument”) bekannt. Die moderne Guqin (gu heißt „alt” oder „antik”) besteht aus einem langen dünnen Brett aus Holz mit lackierter Oberfläche und wird von einem weiter unten angebrachten Brett ergänzt. Es gibt 13 kleine Griffmarken, die ursprünglich aus Rehhorn (namens Hui 灰) hergestellt wurden und äußerlich auf dem oberen Brett angebracht sind. Sie markieren die Positionen der Noten und deren Obertöne, da es keine Bünde gibt. Auf dem oberen Brett befinden sich sieben Saiten, die dickste am äußeren Rand, die dünnste nach innen gerichtet. Durch die chinesische Geschichte hinweg war die Guqin das Lieblingsinstrument von Gelehrten und Philosophen und wurde damit zum essentiellen Attribut eines kultivierten Mannes. Aufgrund ihrer geringen Lautstärke kam die Guqin in größeren Ensembles nie zum Einsatz und wird auch heutzutage im Orchester nicht verwendet und blieb somit über die Jahrtausende ein Soloinstrument.

 

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Guqin

Konghou

Konghou 箜篌

Ein Streichinstrument mit Namen Konghou, dass horizontal gespielt wurde, gab es schon während der Frühlings- und Herbstperiode (770 - 477 v. Chr.). Eine vertikale Version wurde wahrscheinlich während der Westlichen Han-Dynastie (206 v. Chr. - 25 n. Chr.) aus Zentralasien eingeführt und wurde als Hofmusik während der Tang-Dynastie (7. – 10. Jhd. n. Chr.) berühmt. Danach geriet es in Vergessenheit und die Leute vergaßen sogar, wie es vorher aussah. In den 1950ern begannen die Chinesen ein Projekt zur Rekonstruierung der vertikalen Konghou mit Hilfe von historischen Dokumenten und altertümlichen Zeichnungen (wie z.B. den Höhlenmalereien aus Duhuang), außerdem wurden einige Elemente von der Harfe übernommen. Die Konghou wurde schließlich in den 80er Jahren wiederbelebt. Das Instrument ähnelt heute der westlichen Konzertharfe. Gleichzeitig teilt es einige Merkmale mit der Guzheng. Im Vergleich zur Konzertharfe gibt es allerdings zwei Reihen von Saiten. Dies ermöglicht es dem Spieler avancierte Spieltechniken anzuwenden wie Vibratos oder gebogene Töne. Die Saiten der beiden Reihen sind auf die gleichen Töne gestimmt. In vielen chinesischen Orchestern wird die westliche Harfe der Konghou vorgezogen und versierte Interpreten gibt es nur selten.

Vom westlichen Orchester: Konzertharfe