BLASINSTRUMENTE

In der Kategorie der Bläser der chinesischen Musik gibt es eine große Anzahl an Instrumenten, die aus verschiedenen Materialien hergestellt sind (Bambus, Holz, Tonerde, etc.) und eine sehr unterschiedliche Tonqualität aufweisen. Je nach der Technik, mit der Luft in die Gehäuse geblasen werden, können sie in drei Typen untergliedert werden: Instrumente, bei denen man direkt Luft in den Korpus bläst (z.B. DiziXiao); Instrumente, bei denen man Luft in ein Doppelrohrblatt an einem Ende bläst (z.B. GuanziSuona); Instrumente, die durch Blasen in den Korpus die Rohrblätter im Inneren vibrieren lassen, wodurch Töne erzeugt werden (z.B. ShengBawu).

Dizi

Dizi 笛子

Qudi 曲笛, Bangdi 梆笛, Xindi 新笛

 

Die Dizi, auch als Chinesische Bambusflöte geläufig, hat ihren Ursprung vermutlich in Zentralasien und wurde während der frühen Westlichen Han-Dynastie (206 v. Chr. - 25 n. Chr.) nach China eingeführt. Die Dizi hat ein Mundloch, sechs offene Löcher und ein siebtes Loch, das mit einer Membran namens Dimo 笛膜 aus hauchdünnem Bambus bespannt ist. Das Dimo entwickelt feine Falten in der Mitte, die der Dizi ihre besondere Klangfarbe verleihen, ein unverkennbares nasales Summen. Die Dizi gibt es in verschiedenen Formaten für verschiedene Tonlagen. Die üblichsten drei sind die Qudi 曲笛 , die Bangdi 梆笛 und die Xindi 新笛. Die Qudi und Bangdi sind traditionelle Querflöten, die entsprechend in der Kun Oper und in der Bangzi 梆子 (Holzklöppel) Oper aus dem Norden Chinas verwendet werden. Die Xindi ist eine vollchromatische Version der Dizi, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde, um neuen musikalischen Kompositionen gerecht werden zu können. Die Dizi ist ein Soloinstrument und kommt auch in Orchestern und kleinen Ensembles vor.

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Xiao

Die Xiao (in der Antike als Shudi, „vertikaledi” bezeichnet) ist eine vertikal gespielte Flöte aus Bambus. Normalerweise hat die Xiao vier oder fünf Löcher auf der Vorderseite und eines auf der Rückseite, der Körper ist lang und dünn, obwohl auch andere Formen existieren. Ähnliche Flöten aus Knochen wurden bei Ausgrabungen gefunden, die bis 5000 – 6000 v. Chr. zurückreichen. Die Xiao hat einen sehr zarten und süßen Klang und wurde in ihrer frühen Geschichte mit der Guqin bei traditionellen Ritualen verwendet. Heutzutage kommt sie eher in kleinen Ensembles, weniger im Orchester vor.

Check out the performance of China National Traditional Orchestra’s Ancient Music Trio!

Xiao

Xun

 Xun

Nachdem sie in einer Periode in der Antike viel Verwendung fand, verlor die Xun an Relevanz. Dieses kleine Toninstrument wurde erst in den 80er Jahren wiederbelebt. Die Xun ist wie ein Ei geformt und innen hohl. Ihr Körper ist normalerweise mit einem Blumenmuster verziert und umfasst nur eine Oktave. Nichtsdestotrotz ist ihr Klang lebendig und anmutig.

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Suona 唢呐

Gaoyinsuona 高音唢呐, Zhongyinsuona 中音唢呐, Cizhongyinsuona 次中音唢呐, Diyinsuona 低音唢呐

Die Suona ist ein antikes Blasinstrument, das auf dem gesamten asiatischen Kontinent in vielen Varianten verbreitet ist. Sie besteht aus einem kegelförmigen Körper aus Holz und einer abnehmbaren Glocke aus Metall; die Töne werden durch Blasen in ein metallenes Mundstück mit einem dünnen Doppelrohrblatt erzeugt. Wie andere traditionelle chinesische Instrumente, hat die Suona ihren Ursprung im Nahen Osten, war in Zentralasien während der Westlichen Han-Dynastie (265 - 317 n. Chr.) beliebt und wurde zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert nach China eingeführt. Sie kommt sowohl bei Konzerten als auch bei religiösen Zeremonien zum Einsatz. Sie hat ein beeindruckendes Volumen und eine schneidende Klangfarbe, womit sie sich besonders für Vorführrungen im Freien, zum Beispiel zu Festlichkeiten und bei Paraden, eignet. In der großen chinesischen Orchesterformation kommt die Suona in verschiedenen Ausführungen vor, darunter die Sopran-, Alt-, Tenor- und Bass-Suona.

 

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Suona

Guanzi

Guanzi 管子

Die Guanzi ist ein Doppelrohrblattinstrument, dass während der Tang-Dynastie (7. – 10. Jhd. n. Chr.) entwickelt wurde, nachdem Musik aus Zentralasien nach China eingeführt wurde. Zu dieser Zeit wurde die Guanzi häufig in Orchestern bei Hof genutzt und bestand aus Bambus. Seit der Ming-Dynastie wird sie aus rotem Sandelholz gefertigt. Ihr Klang ist tief und nasal. Es gibt sie in verschiedenen Größen und sie wird gewöhnlich in Volksliedern zusammen mit Schlaginstrumenten verwendet.

Sheng

Gaoyinsheng 高音笙, Zhongyinsheng 中音笙, Diyinsheng 低音笙

Die Sheng ist eine Mundorgel, die aus einer Luftkammer mit vielen geriffelten Pfeifen besteht. Gemäß Aufzeichnungen aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. ist sie eines der ältesten antiken chinesischen Instrumente. Die Sheng erzeugt ihre Töne, indem abwechselnd Luft hineingeblasen und inhaliert wird, womit der Spieler lang andauernde Partien ohne Pause spielen kann. Heutzutage existieren zwei Arten von Sheng: die traditionelle Sheng und die Sheng mit Klappen, die erst in den 1950er Jahren entwickelt wurde. Während die Pfeifenlöcher einer traditionellen Sheng direkt von den Fingern abgedeckt werden, werden die Löcher einer Sheng mit Klappen – wie der Name schon sagt – von Klappen bedeckt, die mit Hebeln bedient werden. Ohne Klappen ist es angesichts der großen Anzahl der Pfeifen und der Größe des Instruments sehr schwer, das Instrument zu spielen. Traditionelle Sheng sind in der Volksmusik Chinas oder Südostasiens weit verbreitet. Shengs kommen im chinesischen Orchester zum Einsatz, abgesehen von dem Stück “On a quiet night” werden Solos immer seltener.

 

 

Sheng

hulusi

Hulusi 葫芦丝

Die Hulusi (das bedeutet „Flaschenkürbis-Seide”, eine Anspielung auf ihren seidenen Ton) oder Huluxiao 葫芦箫 („Flaschenkürbis-Querflöte") ist ein Durchschlagzungeninstrument mit einem Flaschenkürbis als Resonanzkörper. Typen mit einer Pfeife sind selten, die meisten Hulusi haben ein Melodierohr und ein bis zwei Pfeifen mit Borduntönen. Jede Pfeife hat eine dreieckige durchschlagende Messingzunge. Die Hulusi wird meist mit der Dai Minderheit in Verbindung gebracht (die das Instrument Bilangdao 筚朗叨 nennen) aber es ist auch unter weiteren Minderheiten in Südchina verbreitet wie den De'ang, Wa und anderen. Die Pfeifen mit Borduntönen verfügen über ein Loch, mit dem ihr Ton gestoppt werden kann. Weiterentwicklete Ausführungen haben Fingerlöcher mit Tasten, ähnlich wie bei der Klarinette oder Oboe, die den Tonumfang der Hulusi auf mehrere Oktaven erweitern können und einen Mechanismus, wie bei einer Kolbenflöte, der die Hulusi auf die gewünschte Tonlage stimmen kann. Der Klang der Hulusi ist betörend schön, jedoch sehr leise, weshalb sie in Ensembles kaum vorkommt. Das Volk der Dai spielte es ursprünglich, um ihre Liebe zu einer Frau zu bezeugen, andere Minderheiten spielten die Hulusi oft auf den Feldern während einer Pause von der Feldarbeit.

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Bawu 巴乌

Die Bawu ist wie die Dizi eine Querflöte aus Bambus. Während die Dizi beim Blasen durch ein offenes Loch einen Ton produziert, wird mit der Bawu der Klang mittels Blasen durch ein metallenes Mundstück (Rohrblatt) erzeugt. Die Bawu hat acht Löcher und kann nur acht bis elf Noten spielen. Ihre Klangfarbe ist voll und nasal. Sie ist ein sehr beliebtes Instrument unter den ethnischen Minderheiten im Südwesten China, wie den Yi, Dai, Hani und Miao. Die Bawu kommt im chinesischen Orchester nur selten vor.

 

Bawu